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Meldung vom 08.04.2022:

Landesverband Südwestdeutscher Briefmarkensammlervereine
im Bund Deutscher Philatelisten e. V. (LSW):

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"Postwert-Zeichen setzen":  
Vorschlag einer Briefmarke zugunsten der Ukraine-Hilfe in Deutschland

Der Landesverband Südwest unterstützt eine Initiative des "Briefmarkensammlerverein Gaildorf e.V.", der eine Ukraine-Zuschlagsmarke fordert.

Der stellvertretende Vorsitzende, Axel Brockmann, sagt dazu: "Österreich kann es - wir könnten es doch auch? - Briefmarkensammler unterstützen die Ukraine."
Dieter Schaile, Vorsitzender des LSW, verweist mit Blick auf die emotionale Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskyj vor dem Deutschen Bundestag am 17. März 2022 auf die Verantwortung, die wir alle haben, und damit auch die Briefmarkensammler.

Die Herausgabe einer solchen Marke ist natürlich allem voran eine politische Entscheidung. Das kann den Entscheidern nicht abgenommen werden.

"Bei besonderen Ereignissen können Sammler und jeder, der einen Brief mit dieser Marke verschickt, helfen", so Brockmann. Wird (seitens der Post) hinreichend geworben und sind die Marken auch in den kleinsten Post-Agenturen erhältlich, so können die Schalterkunden den Sammlerbedarf deutlich übertreffen. Jeder so verschickte Brief hilft nicht nur, er wirbt auch beim Empfänger für die Verwendung einer solchen Briefmarke und rückt das Thema weiter in das Bewusstsein.

Die Sammlerschaft freut sich nicht generell über jede Zuschlagsmarke. Anders ist es allerdings, wenn eine Ausgabe auf ein breites öffentliches Interesse stößt. Und das ist von einer solchen Ukraine-Ausgabe zu erwarten.

Auch wird die Ukraine-Krise aller Voraussicht nach leider noch länger anhalten. Für eine solche Marke ist es also noch nicht zu spät.

85 + 15 Cent = 1,00 Euro:
Damit eine solche Briefmarke vom Poatkunden beachtet wird, ist ein kleinerer Aufschlag aus unserer Sicht sinnvoll. Brockmann: "Wenn der Brief statt 85 Cent einen Euro kostet, also 15 Cent Zuschlag anfallen, bringt es eben die Menge."
Auch ein Schalter-Angebot mit selbstklebenden Marken wäre empfehlenswert.
Vielleicht könnte die Deutsche Post mit einer Zusatzspende von 15 Cent pro verkaufter Marke nochmals ihre Solidarität zeigen?
Das Bundesfinanzministerium könnte gegenüber der Deutschen Post auf die Lizenzgebühren verzichten?

Auch andere Zuschlags-Modelle sind möglich:
- 0,85 + 1,00 Euro: Schalterkunden würden wahrscheinlich nur kleinere Mengen kaufen und versenden.
- Österreich z. B. hat am 31. März 2022 eine Marke zu 1,00 + 2,00 Euro ausgegeben. Die Auflagezahl von 200.000 Stück deutet allerdings nicht auf einen erwarteten Verkaufsschlager am Schalter hin.

Herausgeber der Briefmarken in Deutschland ist das Bundesfinanzministerium, nicht die Deutsche Post AG, die 'nur' Vertreiber (und Zahler) ist. Mit der Privatisierung der Deutschen Bundespost blieb die Herausgabe der Marken in staatlicher Hand; Deshalb auch ist auf den Marken "Deutschland" zu lesen.

 
Zum Hintergrund von Zuschlagsmarken:

Briefmarkensammler kennen sich aus mit Zuschlagsmarken, gerade in Deutschland. Denn das Land ist "Weltmeister" bei der Herausgabe der Briefmarken mit einem zusätzlichen Betrag für gemeinnützige Projekte. Regelmäßig erscheinen Marken für die Wohlfahrtspflege, die Jugend, den Sport, den Umweltschutz oder zur Förderung der Philatelie.

Seit 2008 werden sie seitens des Bundesfinanzministeriums und der Deutschen Post AG "Plus-Marken" genannt. Auf den Randstücken ist ein aus fünf Punkten bestehendes "+"-Zeichen und der Schriftzug "Gutes tun - Mit Briefmarken helfen" abgedruckt.

In der Regel lautet der Zuschlagsbetrag auf maximal 50% des Portowertes. Ausnahmen von dieser Begrenzung werden bei Katastrophen-Anlässen gemacht, was man im vorliegenden Fall sicher als gegeben voraussetzen kann.

Bei der schnellen Herausgabe von Katastrophen-Zuschlagsmarken ist man beim Bundesfinanzministerium eher zurückhaltend geworden, auch die Deutsche Post hat ihre Erfahrungen gesammelt. Die Suche nach einem geeigneten Motiv, das Finden von seriösen Geld-Empfängern, der Druck und der anschließende Vertrieb an die Schalter benötigt wohl mindestens acht Wochen. So manche Katastrophe war bis dahin schon wieder vorbei und in den Medien nicht mehr präsent. Folge war, dass eilends hergestellte Marken in größerer Stückzahl an die Schalter kamen, die Nachfrage aber nur kurz anhielt.

Auch die Sammlerschaft ist -wie erwähnt- nicht immer begeistert, da sie oft die fast einzigen Abnehmer bleiben. Man will die Sammlung komplett halten, deshalb wird gekauft, nicht primär, weil man 'freiwillig' helfen will. So werden Zuschlagsmarken nicht selten als "Sonder-Steuer" für Sammler empfunden.

Zwei Beispiele:

"Kosovo-Hilfe" (27.04.1999): 1,10 + 1,00 DM, Michel-Nr. 2045, Auflage: 3.110.000 Stück (gedruckte Zahl nicht bekannt).
Die Kosovo-Marke lag nur bei ca. 500.000 Stück über dem damaligen Sammlerbedarf. Zum Vergleich, die verkaufte Auflage der 110er-Weihnachtsmarke 1999 notiert bei 7.780.000 Stück, also bei mehr als dem Doppelten der Kosovo-Marke.

Besser sah die Auflagen-Bilanz schon bei der Marke "Hilfe für die Hochwassergeschädigten" vom 8. August 2002 aus (Michel 2278). Die insgesamt vier Druck-Auflagen brachten es zusammen auf 6.740.000 verkaufte Marken zu 56 + 44 Cent.

Polen setzte am 25. März 2022 ein Zeichen mit einer zuschlagsfreien Marke "Wir sind bei Ihnen!" (Priorität S: Verkaufspreis 4,50 PLN), Auflage 3.000.000 Stück.

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